Staunende
Kinderaugen können die Größe dieser Geschöpfe kaum ermessen. Sitzt der Kopf an
diesem Leiterhals in den Wolken? Speit er Feuer und Rauch? Wer wagte es die
Knochen zu stehlen, wer brachte die sagenhaften Lungenfische an Land und
steckte sie in viel zu enge Gläser, wo sie nun zusammengestaucht und bleich
verharren. Wir schleichen um die Vitrine, zählen vier Beine. Unheimlich
glimmern die Gläser, wie Eingemachtes, aufgequollene Leiber, allesamt
Wasserleichen. Dabei waren es mal Fische, nun seltsam ertrunken im eigenen
Saft. Lebende Tote in diesem Riesenbau. Klug und lebendig die Augen eines prächtigen
Löwen, hier ohne Savannengras. Aus Gras ist nur sein Bauch, die Nähte sind noch
sichtbar beim Tapir nebenan, an manchen Stellen quillt Stroh aus den Flanken. Hat
dieser Schimpanse mit den gutmütigen Augen gelebt? Mit welchen Augen hat er
seine Jäger angeblickt? Die Kinder gruselts schaurig schön, sie fragen
ehrfürchtig. War diese Riesenkröte lebendig? Und ahnen den Tod im Leben und den
Zauber der ewigen Verwandlung. Im Märchen wird aus dem Menschen ein Stein, so
ist es mit dem Tiger hier geschehen, seine Augen haben nicht die Weisheit des Königs
der Savannen, nur Wildheit, rohe Gewalt sticht aus gelben Augen, man möchte nachts
nicht allein sein in diesem Museum.
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