Sunday, November 3, 2013

Naturkundemuseum

Staunende Kinderaugen können die Größe dieser Geschöpfe kaum ermessen. Sitzt der Kopf an diesem Leiterhals in den Wolken? Speit er Feuer und Rauch? Wer wagte es die Knochen zu stehlen, wer brachte die sagenhaften Lungenfische an Land und steckte sie in viel zu enge Gläser, wo sie nun zusammengestaucht und bleich verharren. Wir schleichen um die Vitrine, zählen vier Beine. Unheimlich glimmern die Gläser, wie Eingemachtes, aufgequollene Leiber, allesamt Wasserleichen. Dabei waren es mal Fische, nun seltsam ertrunken im eigenen Saft. Lebende Tote in diesem Riesenbau. Klug und lebendig die Augen eines prächtigen Löwen, hier ohne Savannengras. Aus Gras ist nur sein Bauch, die Nähte sind noch sichtbar beim Tapir nebenan, an manchen Stellen quillt Stroh aus den Flanken. Hat dieser Schimpanse mit den gutmütigen Augen gelebt? Mit welchen Augen hat er seine Jäger angeblickt? Die Kinder gruselts schaurig schön, sie fragen ehrfürchtig. War diese Riesenkröte lebendig? Und ahnen den Tod im Leben und den Zauber der ewigen Verwandlung. Im Märchen wird aus dem Menschen ein Stein, so ist es mit dem Tiger hier geschehen, seine Augen haben nicht die Weisheit des Königs der Savannen, nur Wildheit, rohe Gewalt sticht aus gelben Augen, man möchte nachts nicht allein sein in diesem Museum.

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